Mit dem richtigen Fahrplan erfolgreich durchstarten

In Kooperation mit der Wirtschaftsförderung  im Landkreis Celle begleitet das Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW) eine junge Unternehmerin bei der Professionalisierung, der Re-Strukturierung und dem Ausbau ihres Geschäftsmodells

Andrea Lüchau hat von der Pike auf das Raumausstatterhandwerk erlernt und 2003 „Die Raumidee“, mit Sitz in Eschede, gegründet. Sie hat nicht nur ein handwerkliches Händchen beim Bepolstern von Sofas und Sesseln und jede Menge Kreativität, gepaart mit einem Sinn für Ästhetik, bei der Gestaltung und Einrichtung von Räumen – sie ist auch eine kreative Meisterin in der Neugestaltung und Überarbeitung von Möbeln und Gegenständen, die in ihrer Zweckentfremdung einen völlig neuen Nutzen erhalten, dem Upcycling.

Der Weg in die Selbstständigkeit, mit der Gründung im Jahr 2003, war für Andrea Lüchau eine klare Entscheidung. Doch nach 13 Jahren suchte sie einen Sparringspartner, der sie in der Professionalisierung bzgl. Struktur und Organisation des Betriebes unterstützen konnte.

Frau Lüchau, wie ist die Zusammenarbeit mit dem TZEW zustande gekommen?

Dadurch, dass ich meinen Betrieb professioneller aufstellen wollte, habe ich zu dem Fachbereich „Frauen und Wirtschaft“ im Landkreis Celle Kontakt aufgenommen. Nach einem ersten Gespräch wurde ich direkt an die Wirtschaftsförderung weitervermittelt, die sich prompt darum gekümmert hat, Unterstützung für mich zu organisieren. Bereits zwei Tage später kam dann ein Anruf vom TZEW und wir haben einen gemeinsamen Gesprächstermin n Stade vereinbart.

Um welche Fragestellung ging es Ihnen konkret?

v.L. Kerstin Kruse (TZEW) und Andrea Lüchau (Die Raumidee)

Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits schon lange selbstständig als Raumausstatterin gearbeitet und mich um meinen Sohn gekümmert. Mit war nicht klar, welche Schritte ich machen muss und mit welchen Produkten ich wirklich gut aufgestellt bin. Im ersten Gespräch mit Frau Kruse vom TZEW ging es für mich in erster Linie erst einmal darum, welches Potenzial ist vorhanden, welche Chancen gibt es und sehe ich aber nicht, was zeichnet mich aus, welche Strukturen brauche ich. Es ging mir um eine Art Fahrplan für die nächsten 5-10 Jahre.

Und haben Sie die Hilfe erhalten, nach der Sie suchten?

Auf jeden Fall. Sbereits im ersten Gespräch mit Frau Kruse in Stade fühlte ich mich gleich kompetent beraten. Im nächsten Schritt ist Frau Kruse dann zu mir in meine Räumlichkeiten gekommen. Wir haben vor Ort besprochen, welche Abläufe bestehen, wie ich den Betrieb strukturiert habe, welche Produktbereiche mit welchem Erfolg laufen etc.

Wieviele Gespräche haben stattgefunden?

Frau Kruse vom TZEW hierzu: Es waren acht Beratungsgespräche über einen Zeitraum von rund einem Jahr. Etwa alle zwei Monate gab es einen gemeinsamen Termin, in dessen Rahmen wir auch Aufgaben, To-Do’s und nächste Schritte vereinbart haben, so dass Frau Lüchau einen Fahrplan hatte für die folgenden zwei Monate. Wenn etwas auf dem schnellen Wege abgestimmt werden musste, haben wir uns via Mail oder Telefon abgestimmt. Bei jedem Beratungstermin haben wir geprüft, was umgesetzt wurde, was vielleicht noch schwierig war, was nicht funktioniert hat oder was als weiteres, Erfolg versprechendes Projekt hinzukam.

Wir haben z.B. ganz strikt sortiert, was an fachlicher Kompetenz da ist, an Kundenkontakten, an Arbeitsraum, an Arbeitsmitteln. Wie kann man die Produkte, die Frau Lüchau fertigt, bestmöglich verkaufen, bekannt machen und ein gutes Image aufbauen. Wieviel Zeit braucht die Produktion, die Akquise, die Administration und hier eine klare Zeit- und Arbeitsstruktur hinterlegt.

Was waren für Sie wichtige Meilensteine im Rahmen der Beratung durch Frau Kruse?

Nun, einer der wichtigsten Schritte war wohl, eine umsetzbare Struktur in meinen beruflichen Alltag zu bekommen. Schwer fiel mir vor allem, die anfallenden Aufgaben in meinem Büro und meine Arbeit in der Werkstatt aufeinander abzustimmen. Nach einer kompletten Re-Organisation des Back Offices und der Werkstatt habe ich jetzt einen funktionierenden Wochenfahrplan. Von Montags bis Mittwochs bleibe ich komplett in der Werkstatt, Donnerstage nutze ich für Akquise und Vor-Ort-Termine bei Kunden und Freitage für die Arbeit im Büro.

Im nächsten Schritt haben wir meine Webseiten mit neuen Texten und Profi-Fotos von Werkstücken inhaltlich neu aufgesetzt und durch einen vom TZEW vermittelten Webdesigner neu programmieren lassen. Danach haben wir ein Werbekonzept entworfen, eine Facebookseite eingerichtet und einen Ebay-Shop zusammen erstellt, in welchem wir auch unsere neuen Upcycling-Produkte anbieten.

Stichwort Upcycling; bitte erklären Sie, worum es dabei in Ihrer Polsterei geht

Upcycling ist ein neuer Produktbereich. Hierbei geht es darum, dass wir alte Dinge zweckentfremden und ihnen sozusagen neues Leben einhauchen. Ein Kinderbett wird zu einer kleinen Kinderbank umgebaut oder eine alte Metallregentonne wird zu einem Sessel umfunktioniert. Es sind Gegenstände, von denen man nicht vermutet, dass hier ein (neues) Möbelstück drinstecken könnte.

Welche Veränderungen haben sich im Laufe der vergangenen Monate bei Ihnen durch die Beratung ergeben? Wohin geht die Reise?

Wichtige Veränderungen waren, dass viel in der Werbung passiert ist und ich mich auch auf Facebook eingelassen habe. Früher war ich eher skeptisch, inwieweit das wirklich Sinn macht, habe aber festgestellt, wieviel Erfolg das bringt. Mir wurde auch klar, wo noch Marktpotenzial liegt, wie ich neue Kunden finde und auch an mich binde.  Daher werde ich nun meine Schwerpunkte auf das Polstern, das Upcycling und – ganz neu – auf das Angebot von Kursen legen.

Wie sieht es personell bei Ihnen aus?

Ich habe eine Jahrespraktikantin, die ihre Fachoberschulreife zum Thema Gestaltung macht und eine derartige Leidenschaft für den Beruf entwickelt hat, dass ich mich entschieden habe, sie auszubilden. Aktuell bin ich gerade dabei meinen Ausbildereignungsschein zu machen und werde ab dem 01.08. meine Praktikantin als Auszubildende übernehmen.

Wie würden Sie den Erfolg der Beratung bewerten?

Die Beratung hat mir persönlich  sehr viel gebracht. Der Blick von außen auf meinen Betrieb und die internen Abläufe war sehr wichtig. Ich selber hatte bei manchem eine eingefahrene Perspektive. Frau Kruse hat immer genau da angesetzt, wo Hilfe nötig war und hat mich immer auf meinem Weg bestärkt.

Das letztliche Fazit von Ihnen?

Ich kann es nur jedem empfehlen, für sich und seinen Betrieb diese Beratung in Anspruch zu nehmen. Und vielleicht auch früher, als ich es gemacht habe, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.

Gerade für Frauen mit Kindern ist es ja heutzutage auch eine Herausforderung, in die Selbstständigkeit zu gehen. Wie hat sich dies bei Ihnen gestaltet und wo stehen sie heute?

Ich bekomme alles recht gut unter einen Hut, dadurch das mein Kind ganztägig im Kindergarten ist. Diese Zeit muss ich intensiv nutzen, um zu arbeiten und das meiste auch wirklich zu erledigen. Aber das Gute daran ist, dass mein Werkstatt- und Wohnbereich zusammenliegen, sodass ich mich manchmal auch abends heraus ziehen kann. Ich bin also in jeder Handlung sehr spontan.

Das heißt, aus ihrer Sicht würden Sie schon dazu raten, wenn sich Frauen mit Kindern mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen, durchaus diesen Schritt zu gehen und keine Scheu davor zu haben?

Genau. Was man braucht ist Mut für die Selbstständigkeit und Leidenschaft für das, was man tut. Und gerade mit Kind lässt sich der Tagesablauf flexibler gestalten, da ich mein eigener Chef bin.

Wo wir schon beim Thema Frau und Wirtschaft sind, der Kontakt ist ja durch die Wirtschaftsförderung zustande gekommen. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Sehr positiv! Nach der ersten Kontaktaufnahme mit Frau Regner, die im Gespräch auch sehr strukturiert vorgegangen ist, haben wir eine Art Rollenspiel vorgenommen („Wo sehe ich mich in 10 Jahren“). Das fand ich sehr spannend, weil man sich ja doch so seine Gedanken macht, wo man letztlich hin will und dann ist da die Frage: Wie komme ich dahin? Wo sind die Stolpersteine?

Das TZEW vermittelt ja auch Beratungen für viele, viele andere Bereiche. Wenn sich bei Ihnen erneute Fragestellungen ergeben – auch in gänzlich anderer Richtung – würden Sie sich wieder ans TEZW wenden?

Ja, auf jeden Fall!

 

INFO-KASTEN:

Seit 2008 gehört der Landkreis Celle zu den Kooperationspartnern der ARTIE, dem Regionalen Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung. Die Arbeitsgemeinschaft, die mittlerweile ein Einzugsgebiet von 10 Landkreisen im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg umfasst, versteht sich als regionales Netzwerk zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in der Region. Der Wissenstransfer, also die Verzahnung zwischen den Unternehmen und geeigneten Hochschulen und Forschungseinrichtungen übernimmt das Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW) in enger Kooperation mit den Einrichtungen der kommunalen Wirtschaftsförderung. Das Angebot des TZEW wird im Landkreis Celle aus Mitteln des Landkreises sowie EU-Mittel finanziert und ist als Serviceleistung der Wirtschaftsförderung vor Ort für die Unternehmen kostenfrei. Interessierte Firmen können sich an die jeweilige Wirtschaftsförderung von Stadt und Landkreis Celle wenden oder auch direkt einen Termin mit dem TZEW unter Telefon 04141 787080 vereinbaren.